Biodiversität
Die Stadt Geestland liegt im Norden Deutschlands und hat eine Fläche von 356,58 km², was sie zur zwölftgrößten Flächenkommune in Deutschland macht. Der Name Geestland ist von der Landschaftsform Geest abgeleitet, die eine sandige und trockenen Hochfläche ist und eine Höhe von 28,5 m. ü. NHN erreicht. Sie grenzt im Nordwesten an die Außenweser und die Nordsee und im Süden an den Fluss Geeste, einem Nebenfluss der Weser.
Das Wetter ist typisch für das norddeutsche Küstenklima, das von maritimen Einflüssen geprägt ist. Das bedeutet, dass die Temperaturen im Sommer mild und im Winter moderat sind, die Niederschläge relativ gleichmäßig über das Jahr verteilt sind und der Wind oft stark weht.
Von der Küste bis zum Geestrücken bietet Geestland Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, die zum Teil selten oder gefährdet sind. Geestland engagiert sich aktiv für den Schutz und die Förderung der biologischen Vielfalt, sowohl in den ländlichen als auch in den städtischen Bereichen.
35.000 Bäume für Geestland
Noch ist der Berg-Ahorn, den Bürgermeister Thorsten Krüger an diesem sonnigen Freitagmorgen in den Boden setzt, eher klein. Vielleicht 20 oder 30 Zentimeter hoch. In den nächsten Jahren und Jahrzehnten soll er zu einem stattlichen Exemplar heranwachsen und das tun, was ein Baum am besten kann: CO2 aufnehmen und so einen wichtigen Beitrag fürs Klima leisten. Es ist der erste von rund 35.000 Bäumen, die in den kommenden Tagen auf rund sechs Hektar am Langen Berg gepflanzt werden. Einen Baum für jeden Einwohner und sogar noch ein paar mehr.
„Kirsche, Stieleiche, Berg-Ahorn, Hainbuche, Ulme, Walnuss: Wir pflanzen hier auf vier Flächen ausschließlich heimische Laubbäume, dazu Sträucher und Blühstreifen“, erzählt Försterin Lina Richardt, die das Projekt zusammen mit Alexander Fink vom Bauhof der Stadt Geestland begleitet. Die vier Flächen sind Eigentum der Stadt und wurden bisher landwirtschaftlich genutzt. Die Ackerflächen wurden in den vergangenen Tagen bereits mit Schutzzäunen abgesteckt. Nun laufen die Mitarbeiter der beauftragten Baumschule Reihe für Reihe ab und setzen die Bäume in den Boden. „Wir haben uns ganz bewusst dafür entschieden, die Bäume in Reih und Glied zu pflanzen“, sagt Alexander Fink. Die Bäume brauchen nämlich in den nächsten Jahren intensive Pflege. „Wenn die Bäume in einer Reihe stehen, können wir diese wesentlich leichter pflegen. Nach rund zehn Jahren sind die Bäume so weit verwachsen, dass der Wald sich selbst regulieren kann.“
Der Boden, sagt Alexander Fink, ist geradezu prädestiniert für Eichen. „Sie können mit ihren Wurzeln die Lehmschicht durchdringen und an das darunter befindliche Wasser kommen. Andere Bäume wurzeln bei diesen Verhältnissen eher flach und sind dann nicht so standsicher.“ Außerdem ist die Eiche Lebensraum für über 100 andere Lebensformen wie Flechten, Pilze, Insekten, Vögel oder Kleinstsäuger.
Die Gesamtkosten für das Projekt belaufen sich auf ungefähr 100.000 Euro. Einen Teil davon, gut 30.000 Euro, steuert die Stadt Geestland vom Gewinn des Deutschen Nachhaltigkeitspreises 2018 bei. Das Preisgeld stellt die Allianz Umweltstiftung zur Verfügung. Peter Wilde, Projektmanager der Allianz Umweltstiftung, freut sich sehr „über die tolle Verwendung des Preisgeldes. Denn zum einen leistet die Pflanzung der Bäume einen Beitrag zum Klimaschutz, zum anderen entsteht dadurch neue Stadt-Natur. Wir wünschen der Stadt Geestland gutes Gelingen bei der Pflanzung und hoffen, dass die Bäume baldmöglichst zu stattlichen Exemplaren heranwachsen.“ Der Rest der Summe kommt aus Fördermitteln des Landes Niedersachsen zur Förderung forstwirtschaftlicher Maßnahmen.
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2017 wurde Geestland als Deutschlands nachhaltigste Stadt mittlerer Größe ausgezeichnet und gewann 35.000 Euro Preisgeld von der Allianz Umweltstiftung. Mit dem Preisgeld leistet die Kommune nun einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz und forstet mit insgesamt 35.000 Bäumen bisher landwirtschaftlich genutzte Flächen am Langen Berg auf.
Bienenfutterautomat
Ein neuer Standort für unseren Bienenfutterautomaten: Seit 2023 hat er seinen Platz in Imsum bei der Feuerwehr.
Ein alter Kaugummiautomat, hübsch restauriert und gelb angestrichen vom Dortmunder Sebastian Everding, hatte seinen Standort für vier Jahre hinterm Rathaus in Langen. Für 0,50 Cent erhält man aus dem „Bienenfutter-Automat“ die Samenmischung „Lass deine Stadt aufblühen!“ der Bienenretter Manufaktur. Die zweijährige Mischung soll Wild- und Honigbienen auf vielen privaten Flächen in der Stadt das Überleben erleichtern. „Damit versuche ich die Welt ein bisschen lustiger und gleichzeitig etwas ökologisch Sinnvolles zu machen.“, sagt der Initiator. Ein tolles Beispiel für nachhaltige Entwicklung mit Sinn und Spaß. Für die Mehrweg-Verpackung hängt ein kleiner gelber Briefkasten für die Rückgabe gleich neben dem „Bienenfutter Automaten“.
Ausführliche Saatanleitung:
- Richtiger Zeitpunkt: von April bis August
- Richtiger Standort: ein sonniger Platz im Garten oder im großen Kübel auf dem Balkon
- Richtiger Boden: feinkrümelige, torffreie Erde/Sandgemisch
- Saattiefe: 0 bis 0,5 cm andrücken; nicht einarbeiten
- Gute Pflege: Zur Keimung den Boden feucht halten. Kein Schnitt nötig. Mehrjährige Stauden entwickeln sich ab dem zweiten Jahr so richtig. Pflanzenreste zur Gründüngung auf anderen Flächen verwenden und untergraben.
Noch zwei kleine Hinweise: Nicht für Kinder unter 14 Jahren und natürlich nicht zum Verzehr geeignet.
Fassadenbegrünung am Rathaus Langen
Das Rathaus in Langen hat kürzlich eine Fassadenbegrünung erhalten, um mehr Grünflächen in der Stadt zu schaffen. Eine bodengebundene Rankhilfe aus Metall an der Nordseite der Eingangsfront des Rathauses, bietet eine hervorragende Möglichkeit zur Bepflanzung mit Geißblatt, Waldrebe und Pfeifenwinde, um das Kleinklima positiv zu beeinflussen. Die Bürger*innen von Langen haben sich schon lange nach mehr Grünflächen im Zentrum der Ortschaft gesehnt. Eine Fassadenbegrünung am Rathaus ist eine einfache Möglichkeit, um diesem Bedürfnis Rechnung zu tragen.
Eine begrünte Wand bietet einen wertvollen Lebensraum für verschiedene Insekten und Vögel. Sie kann beispielsweise als Nistplatz für diverse Singvogelarten dienen oder in Form von Blüten und Früchten als Nahrungsquelle dienen.
Das Fassadengrün dient als natürliche Klimaanlage. Pflanzengeschützte Hauswände erwärmen sich auf höchstens 30 Grad, ungeschützte Wände werden oft doppelt so heiß. Die Pflanzen binden Schadstoffe wie Stickstoffoxyd, Ozon und Feinstaub.
Ein naturnahes Steinbeet zur Inspiration - ein Schaubeet gegen Schottergarten auf Schwammstadtuntergrund
Das Beet ist ein gemeinsames Projekt der Stadt Geestland und des NABU Elbe-Weser. Hier können Bürgerinnen und Bürger Anregungen finden, wie sie auf nährstoffarmen Boden ein naturnahes Steinbeet anlegen können.
Eine Besonderheit ist das neue installierte Schwammsystem. Dies sorgt dafür, dass das Regenwasser vom Weg direkt Richtung Beet läuft, wo es kontrolliert versickern kann.
Die Pflanzen wurden so ausgewählt, dass sie sich auch in einer nährstoffarmen Umgebung entwickeln können und auch längere Trockenzeiten aushalten. Die großen Feldsteine geben ihnen den nötigen Halt bei starken Regenfällen.
Ganz wichtig: Steingärten sind nicht gleich Schottergärten. Ein Steingarten nach alpinem Vorbild - wie in diesem Fall - ahmt eine Gebirgslandschaft nach. Dazu wird das Gelände mit großen Natursteinen modelliert und die Zwischenräume mit feinerem mineralischem Material aufgefüllt, damit Wasser abziehen kann. Ein solcher Garten kann eine Vielzahl an Pflanzen beherbergen, die Sonne und humusarmen sowie durchlässigen Boden mögen, zum Beispiel Glockenblumen, Thymian, Steinbrech, Küchenschelle, Nelken- und Sedumarten, Zwiebelpflanzen sowie Gräser und Kleingehölze.
Die derzeit beliebten Schottergärten wiederum haben mit einem Garten wenig zu tun. Der Begriff hat sich für Gärten eingebürgert, die großflächig mit Kies, Schotter und Felsen bedeckt und nur wenig oder gar nicht bepflanzt sind.
Eine begrünte Bushaltestelle für Bienen, Hummeln und Co.
Die erste barrierefrei ausgebaute Bushaltestelle „Altes Feld“ in Bad Bederkesa ist eine ganz besondere, denn auf dem Dach des Wartehäuschens in der Drangstedter Straße wachsen sogenannte Sedumpflanzen.
Diese Pflanzen sehen nicht nur gut aus, sondern binden ganz nebenbei auch CO2, filtern den Feinstaub aus der Luft und tragen somit zu einem besseren Klima in der Stadt bei, außerdem dient die Bepflanzung Bienen und anderen Insekten als Nahrung und Zufluchtsort. Die Sedum-Gewächse sind robust und pflegeleicht – und deshalb ideal geeignet für eine Dachbegrünung.
Mit ihrem begrünten Dach ist die Haltestelle „Altes Feld“ die erste ihrer Art in der Stadt Geestland. Bei der Ausführung musste ein besonderes Augenmerkt auf die Statik gelegt werden, denn durch die Pflanzen, die Wasser speichern können, muss der Unterstand zusätzliches Gewicht tragen. Die Stadt Geestland wird die ökologische Gestaltung als Vorbild für zukünftige Haltestellen nehmen.
Rund 10.000 Euro sind in den Bau des begrünten Unterstands geflossen. Finanziell unterstützt wurde die Maßnahme durch die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen mbH (LNVG), den Zweckverband Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen (ZVBN) sowie den Landkreis Cuxhaven.
Geestland ist Wegbereiter für Natur- und Artenschutz
Das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz hat die Stadt Geestland als „Wegbereiter“ für den Niedersächsischen Weg ausgezeichnet. Eine passende Plakette wird jetzt an den Eingängen der beiden Rathäuser in Langen und Bad Bederkesa angebracht. „Ein deutlich sichtbares Zeichen dafür, dass wir den Niedersächsischen Weg unterstützen und uns mit Herzblut für den Natur- und Artenschutz engagieren“, freut sich Geestlands Bürgermeister Thorsten Krüger.
Im Mai 2020 hatte die Landesregierung mit der Landwirtschaft und dem Natur
schutz einen bislang einmaligen Vertrag abgeschlossen. Gemeinsam wollen die Vertragspartner den großen Herausforderungen des Natur-, Arten- und Gewässerschutzes begegnen. Ziel ist es, den drohenden Artenschwund zu stoppen und mit einem fairen Ausgleich für die Landwirtschaft Lebensräume für Tiere und Pflanzen zu erhalten.
„Einer der Gründe für das Insektensterben ist der Verlust von Nahrung und Lebensräumen. Mit dem Niedersächsischen Weg wollen wir hier gegensteuern“, erklärt Claus Seebeck, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Rat der Stadt Geestland. Die Vereinbarung möchte unter anderem artenreiches Grünland und Streuobstwiesen unter Schutz stellen sowie an allen Gewässern in Niedersachsen breitere Schutzstreifen einführen. Auf der gesamten Fläche soll der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln nachweislich reduziert werden.
Als „Wegbereiter“ ergreift die Stadt Geestland außerdem vielfältige Maßnahmen, um den Natur- und Artenschutz vor Ort aktiv voranzutreiben. „Zum Beispiel legen wir Blühflächen an, stellen Insektenhotels auf, verzichten auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und mähen Seitenränder frühestens ab dem 1. August“, zählt Stadtrat Martin Döscher auf. „Und ganz wichtig: Wir binden die Bürgerinnen und Bürger mit ein, indem wir kostenlose Blühmischungen ausgeben oder auch Wettbewerbe zum Thema insektenfreundliche Gärten veranstalten“, ergänzt Dr. Uwe Nixdorf, stellvertretender SPD-Fraktionsvorsitzender.
"Mähfreier Mai"
Üblicherweise werden die beiden großen Rasenflächen im Beerster Kurpark im Mai drei Mal gemäht. Doch nicht mehr ab dem Jahr 2024. Die Flächen bekommen in den Wochen bis August keinen Rasenmäher zu Gesicht.
Der Grund heißt „Mähfreier Mai“. Die Stadt Geestland beteiligt sich an der bundesweiten Kampagne der Deutschen Gartenbaugesellschaft und setzt ein Zeichen für mehr Biodiversität. Denn wo Blüten wachsen, finden Insekten mehr Nahrung und Vögel damit auch.
Übrigens: Ihren Ursprung hat die Aktion in Großbritannien als „Now Mow May“.
Die Rasenfläche macht in den meisten Gärten 50 Prozent oder mehr der Fläche aus, bietet aber keine ökologische Vielfalt. Diese Flächen haben eine enorme Bedeutung für die Biodiversität und können sich zu artenreichen Wiesen wandeln, es kann Humus aufgebaut, im Boden mehr Wasser gespeichert und mehr Kohlendioxid gebunden werde.
Mitmachen kann jeder! Lehnt Euch einfach zurück und seht der Natur beim Wachsen zu! Lasst Euren Rasenmäher im Schuppen stehen und schafft so Lebensraum und Nahrung für Insekten und Co.!










